Ein Blick hinter die Kulissen
Interview mit Ernst Brand, 15.01.2025

Der gebürtige Birmensdorfer Ernst Brand ist lokal vielseitig engagiert. Als wiedergewählter Gemeindepräsident möchten wir vom GVBA mit ihm über die letzten Entwicklungen in Birmensdorf sprechen und von seinen Erfahrungen berichten, da er unter anderem eine eigene Firma führt.

GVBA: «Vielen Dank für die Zusage, Ernst. Wir starten eine Interviewserie vom Gewerbeverein, in der wir mit unseren Mitgliedern über verschiedene Themen sprechen. Das Interview wird auf der GVBA-Webseite publiziert, eine kurze Version davon erscheint auf der GVBA-LinkedIn-Seite. Du bist die richtige Person, um über das Thema „Damals & Heute” zu sprechen. Du bist seit 63 Jahren Birmensdorfer, hast zuerst Betriebsökonomie studiert und bist vor 35 Jahren in die Selbstständigkeit in der Informatik gestartet. Seit drei Jahren bist du Gemeindepräsident und davor 14 Jahren in der Primarschule tätig. Wie war damals Birmensdorf?»

Ernst Brand: «Birmensdorf war in meiner Jugendzeit ein Dorf mit vielen Bauernhöfen. Die Schule war nicht so gross wie heute. Schon immer hatten wir viel Durchgangsverkehr. Das Dorf ist attraktiver geworden, seitdem der Westring eröffnet wurde. Durch die Autobahn gibt es keine täglichen Staus mehr durch Birmensdorf. Das Dorf ist seither weiter stark gewachsen. Das sieht man zum Beispiel auch an den Schülerzahlen. Als ich Schulpräsident geworden bin, hatten wir rund 450 Kinder in der Primarschule, jetzt sind es über 700, also rund 50% mehr. Die Bevölkerung ist in dieser Zeit nicht ganz so stark gewachsen, wir haben also überproportional mehr Kinder bekommen. Unsere Schulen geniessen einen guten Ruf, was vor allem auch junge Familien dazu bewegt, nach Birmensdorf zu ziehen.

Birmensdorf ist eine grosse Gemeinde und flächenmässig grösser als Dietikon. Die Nähe zu Zürich ist ein grosser Standortvorteil. Ein Nachteil ist vielleicht, dass es durch diese Nähe schwierig ist, im kulturellen Bereich „konkurrenzfähig“ zu sein.»

Als Informatiker sieht Ernst Brand die Digitalisierung als Chance und Entwicklung, die sich alle Branchen zunutze machen müssen. Die Automatisierung als Auftragslöser hat er bereits vor mehreren Jahren für seine Kunden umgesetzt. «Unsere Generation ist ohne Handy aufgewachsen. Seit der Generation Z wachsen Kinder sozusagen von Geburt an digital auf. Daher können sie vieles auch problemlos anwenden. Wir mussten alles als Erwachsene neu dazulernen», fügt er hinzu.

Auf die Frage, ob eine Datenschutzkontrollstelle als Dachorganisation die Daten weitergeben sollte, äussert er sich ganz klar: «Das kann man nicht vollständig kontrollieren. Cyber-kriminalität scheint dem Datenschutz immer wieder einen Schritt voraus zu sein. Wir können nicht mehr zur analogen Welt zurückgehen. Bestimmte Daten müssen weitergeleitet werden, sowohl in der Gemeinde wie auch in der Schule. Viel gefährlicher finde ich Fake News und Desinformationen. Wenn ich heute etwas lese, weiss ich nicht, ob das überhaupt stimmt. Diese Kontrolle und Überwachung kann der Staat nicht oder nur schwer übernehmen. Genmanipulation z.B. passiert, obwohl es verboten ist.»

GVBA: «Die technologische Entwicklung der letzten Jahre war rasant. Wie, meinst du, gehen ältere Menschen damit um?»

Ernst Brand: «Ich denke, die Frage ist, wie wir alle damit umgehen? Schlagworte wie Automatisierung, Robotik und KI sind heute allgegenwärtig und damit auch die Frage, wohin wir uns entwickeln – wo stehen wir diesbezüglich zum Beispiel in 20 Jahren? Es ist wichtiger zu wissen, ob sie es lernen möchten oder nicht. Ab der Geburt eines Menschen verändert sich die Umgebung, in der er lebt. Man muss immer irgendetwas dazulernen. Es gibt keine Alternative – man muss sich anpassen.»

GVBA: «Siehst Du als Fachperson keine Gefahr, wenn eine Entwicklung so schnell zum Alltag wird?»

Ernst Brand: «Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. In der Landwirtschaft war es damals normal, von Hand zu ernten. Heute übernehmen Maschinen fast alle Arbeiten auf dem Bauernhof bis hin zur automatisierten Schädlingsbekämpfung mittels Drohnen. Berufe, die früher analog oder körperlich ausgeführt wurden, verändern sich oder werden sogar verdrängt und durch andere ersetzt. Für mich ist das eine schnelle und massive Entwicklung. Für meine Kinder ist das aber bereits „normal“, weil sie später geboren wurden. Es ist für sie schwieriger, sich die Welt vorzustellen, in der ich aufgewachsen bin. Für sie ist die heutige Welt der Alltag.

Jede Entwicklung birgt neben den Chancen natürlich auch Risiken. In die Cybersicherheit wird viel investiert. Entsprechend ändert sich auch laufend die Bedrohungslage. Früher gab es Probleme mit Spammails, viele davon kann man heute abfangen. Entsprechend verändert sich laufend die Art, wie Betrüger versuchen, an Informationen oder Geld zu kommen. Man hat das Gefühl, dass sie immer einen Schritt voraus sind.»

GVBA: «Langsam nähern wir uns dem Ende. Eine persönliche Frage habe ich noch: Welche Ratschläge würdest Du jungen Erwachsenen geben?»

Ernst Brand: «Die Welt verändert sich. Ich sehe die Lehre und die handwerklichen Berufe nach wie vor als Chance, denn wir brauchen nicht nur Studierende. Man hört viel über die heutige junge Generation, die nicht mehr arbeiten möchte, aber das sind Aussagen unserer Generation, die andere Voraussetzungen hatte. Ich sehe es positiv, dass junge Leute eine andere Einstellung haben und sie zum Beispiel Teilzeit arbeiten möchten. Ich sehe das als Chance. Es gibt mehr und flexiblere Möglichkeiten als früher. Die jungen Leute haben damit kein Problem, sondern die älteren. Was für die Gesellschaft am besten ist, wird erst die Zukunft zeigen.»

GVBA: « Vielen Dank fürs Interview, Ernst»

Ernst Brand: «Danke fürs Kommen.»

26.06.2026
Ernst Brand Gemeinde